Mühlhiasl von Apoig (1753–?)


Wird ein großer Krieg kommen. Ein Kleiner fängt ihn an, und ein Großer der übers Wasser kommt macht ihn aus. Da wird aber zuerst eine Zeit sein, die dem großen Krieg vorausgeht und ihn herbeiführt. Wenn die Bauern mit den gewichsten Stiefeln in der Miststatt stehen. Wenn sich die Bauernleut gewanden wie die Städtischen und die Städtischen wie die Narren. Wenn die roten Hausdächer kommen, und die Rabenköpf
(schwarze Kopftücher) wieder abkommen und die Weiberleut Hüte tragen wie die Mannsbilder. Wenn die farbigen Hüt aufkommen und Leut rote Schuhe tragen. Wenn die Weiberleut auf der Straß wie Gäns daher kommen und eine Spur hinterlassen wie die Geißböck. Wenn der eiserne Hund auf der Donau bellt. Wenn die Wägen ohne Roß und Deichsel fahren. Wenn d’Leut in der Luft fliegen können. Wenn die Leut  mit zweiradeligen Karren fahren, so schnell, daß kein Roß und kein Hund mitlaufen kann. Wenn der Hochwald ausschaut wie dem Bettelmann sein Rock. Wenn man Männer und Weiber nicht mehr auseinander kennt. Wenn d’schwarze Straß von Passau heraufkommt. Wenn im Vorwald draußen die eiserne Straß fertig ist. Wenn d’Bauern nimmer arbeiten wollen. Wenn die Bauernleut lauter Kuchen fressen.

Die Prophezeiungen des Mühlhiasl
Aber es wird ihnen noch einmal schlecht gehen, wenn alles drunter und drüber geht. Dann werden sie sich Zäun ums Haus machen und auf die Leut schießen. Und dann werden sie Steine zu Brot backen und Brennesseln essen. In den Städten wird alles drunter und drüber gehen. Die feinen Leute werden zu den Bauern aufs Land kommen und werden sagen: Laß mich ackern. Man wird sie aber an den feinen Händen erkennen und sie erschlagen.

Alles nimmt seinen Anfang, wenn ein großer Vogel oder ein
Fisch über den Wald fliegt. Dann kommt der Krieg und noch einer, und dann wird
der letzte kommen. — Wann es kommt? Eure Kinder werden es nicht erleben, aber
eure Kindskinder bestimmt. Vom Osten her wird es kommen und im Westen aufhören.
Der letzte Krieg wird der Bänkeabräumer sein. Er wird nicht lange dauern. Es
wird so schnell gehen, daß kein Mensch es glauben kann, aber es gibt viel Blut
und Leichen. Es wird so schnell gehen, daß einer, der beim Rennen zwei Laib Brot
unterm Arm hat und einen davon verliert, sich nicht darum zu bücken braucht,
weil er mit einem Laib auch langt.

Zuvor werden viele Häuser gebaut wie Paläste, für die Soldaten, aber dann
werden einmal die Brennesseln aus dem Fenster wachsen. Das Geld aber wird zu
Eisen, wenn die Not kommt, und man wird sich dafür nichts kaufen können. Wenn
die Fledermaus auf dem Geld erscheint, dann geht es zum zweiten großen Krieg. Da
wird aber ein strenger Herr kommen und ihnen die Haut abziehen und ein strenges
Regiment führen. Nachher kommt der große Krieg. Nach dem Krieg meint man, es ist
Ruh, ist aber keine. Die hohen Herren sitzen zusammen und machen Steuern aus,
die niemand zahlen wird. Aber die Kleinen werden groß und die Großen klein, und
da wird sich erweisen, daß der Bettelmann, wenn er aufs Roß kommt, nicht zu
derreiten ist.

In dieser Zeit wird das Geld so knapp, daß man sich um einen Goldgulden einen Bauernhof kaufen kann. Das wird aber auch eine Zeit sein, da man um 200 Gulden keinen Laib Brot bekommt. Aber eine Not wird doch nicht sein. Geld wird gemacht, so viel, daß mans nimmer kennen kann. Wenns gleich lauter Papierflankerl sind, kriegen die Leute doch nicht genug daran. Auf einmal gibts keins mehr. Kommt aber auch wieder eine gute Zeit und die Leute werden fressen und saufen vom Überfluß. Nachher stehts Volk auf. Bald’s angeht, ist einer übern andern, raufen tut alles, wer etwas hat, dem wird’s genommen, in jedem Haus ist Krieg, kein Mensch kann mehr dem anderen helfen. Dann wird es wieder losgehen und es wird schrecklich. Jeder wird einen anderen Kopf aufhaben, und eins wird das andere nicht mehr mögen. Der Bruder wird den Bruder nicht mehr kennen und die Mutter die Kinder nicht. Gesetze werden gemacht, die niemand mehr achtet, und Recht wird nimmer Recht sein. Aber aus Krieg und Not wird keiner etwas sich merken. Wieder wächst der Übermut.

Der Glauben wird so klein werden, daß man ihn unter den Hut hineinbringt. Den Herrgott werden sie von der Wand reißen und im Kasten einsperren. Kommt aber eine Zeit, da werden sie ihn wieder hervorholen, aber es wird zu spät sein, weil die Sach ihren Lauf nimmt. Denn niemand denkt dran, daß die Geißel Gottes kommt. Und so wird der Jammer groß sein. Wenn man die Leute, die einem begegnen, nicht mehr versteht, ist es nimmer weit zum schrecklichen End. Die Rotjankerl werden auf den neuen Straßen hereinkommen. Aber über die Donau kommen sie nicht. Soviel Feuer und soviel Eisen hat noch kein Mensch gesehen. Alles wird dann durcheinander sein. Wer’s übersteht, muß einen eisernen Kopf haben.

Aber es wird nicht lange dauern. Es wird nichts helfen, wenn auch die Leute wieder fromm werden und den Herrgott wieder hervorholen. Sie werden krank, und kein Mensch kann ihnen helfen. Im ganzen Wald wird kein Licht mehr brennen, und das wird eine lange Zeit dauern. Die wieder von vorne anfangen, werden eine Kirche bauen und Gott loben. Wenn man herüber der Donau noch eine Kuh findet, der soll man eine goldene Glocke umhängen. Es wird erst vorbei sein, wenn kein Totenvogel mehr fliegt.

Die es überstanden haben, werden sich grüßen »Bruder lebst du auch noch?« und werden sich mit »Gelobt sei Jesus Christus« grüßen. Dann schaut den Wald an. Er wird Löcher haben wie des Bettelmanns Rock. Das wird nicht nur bei uns, sondern auf der ganzen Welt so sein, und Recht wird wieder Recht sein, und der Friede wird tausend Jahre gelten. Aber — und das ist weit — wird man Sommer und Winter nicht mehr auseinander kennen, und die Sonne wird nicht mehr scheinen. Denn alles hat ein End, auch diese Welt.

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2 Kommentare zu “Mühlhiasl von Apoig (1753–?)

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